Neubau der städtischen Sommer-Badeanstalt am Mühlengraben 1901
Welche Gründe auch immer vorgelegen haben mögen, in der Tat macht man sich 1889/1900 ernsthafte Gedanken, eine neue, noch bessere und größere Badeanstalt zu errichten. Begründungen warum die nun
seit 10 Jahren bestehende Badeanstalt am Mühlengraben nicht mehr genutzt werden kann, sind aus den vorliegenden Aktenunterlagen nicht zu ersehen. Sicherlich werden die jährlichen Hochwasser der
Möhne und Ruhr erhebliche Sorgen und Kosten bereitet haben. Heute noch kaum vorstellbare Hochwasserkatastrophen (außer der Möhnekatastrophe 1943) hat es zu früheren Zeiten im Möhne- und Ruhrtal
fast alljährlich immer wieder gegeben.
mehr lesen...
Die schwerste Flut ereignete sich im Möhne- Röhr- und Ruhrtal in der Nacht vom 24. auf den 25. November 1890, dem Namenstag der hl. Katharina (Katharinenflut). Schon ein Jahr nach Inbetriebnahme
der ersten städt. Sommerbadeanstalt traten in ganz Südwestfalen die Flüsse über die Ufer. Sicherlich wird die Badeanstalt am Mühlengraben davon betroffen gewesen sein. Jedenfalls wurde der
Regierungsbaumeister Pfannenschmidt beauftragt, dem Magistrat neue Entwürfe vorzulegen. Zunächst legte er zwei Entwürfe zur Badeanstalt „an der Schlacht“ unterm Wiedenberg vor. Die Entwürfe
wurden verworfen, der Grund: Die Wasserverhältnisse seien in dem Bereich zu unterschiedlich und Geröllmassen könnten eine Unfallquelle darstellen. So kam es das im August 1901 vier neue Entwürfe
von Pfannenschmidt vorgelegt wurden. Die Kosten der „neuen“ Badeanstalt beliefen sich auf ca. 4000 – 5000 Mark. Sowie drei Entwürfe zu einer Winterbadeanstalt mit Kosten zwischen 27.000, 53.000
und 70.00 Mark legte er der Stadtverordnetenversammlung am 20.3.1900 vor. Bürger und Vorstand der sauerländischen Gewerkschaftsverein setzten sich zum Bau der Badeanstalt ein.
zuklappen
Am 16.9.1902 legte der Stadtbaumeister Schweitzer folgenden Bericht vor. „Dem Magistrat lege ich in der Anlage eine Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben für die Badeanstalt während der
diesjährigen Badesaison vor. Das finanzielle Ergebnis ist als ein gutes nicht zu bezeichnen. Die Einnahmen sind den Ausgaben überschritten. Der als vorhandenen aufgeführte Bestand von 30,26 Mark
ist nur ein nomineller, da die Stadtkasse den Lohn des Badewärters für den Monat August aus den Mitteln des Etats zahlte, sonach also ein minus vorhanden ist. Die Schuld ist für dieses Ergebnis
der schlechten Witterung zu zuschreiben. Die hiesige Bevölkerung, welche eines mittleren Standes fast ganz entbehrt und zum größten Theil aus Arbeiterbevölkerung besteht, gibt für Badezwecke
nicht gern Geld aus, da das Baden in den Augen ein Luxus ist.
mehr lesen...
Der einmalige Besuch der Badeanstalt kostet 20 Pfennig, das ist für den arbeitenden Mann zu viel, namentlich wenn derselbe noch mehrere Kinder besitzt, welche gleichfalls baden wollen. Der Preis
für Einzelbäder ist zu hoch gegriffen, dagegen der Preis für Abonnements zu niedrig. Ich würde vorschlagen, im nächsten Jahr die Sätze wie folgt zu
nominieren: 1. Einzelpreis für Erwachsene 15 Pfennig Einzelpreis für Kinder 5 Pfennig -am Sonnabend von 5 Uhr 10 Pfennig für Erwachsene, -desgleichen an Sonn-
und Feiertagen 2. Abonnements-Karten für Erwachsene 3,50 Mark - Abonnements-Karten für Kinder 1,50 Mark 3. Baden von einer Familie mit zwei und mehr Kinder so
tritt für jede folgende Karte eine Ermäßigung von 50% ein.
zuklappen
Möhnehochwasser verursacht Schäden
Fünf Jahre zogen ins Land, dass nun die städt. Badeanstalt am Mühlengraben zur Verfügung stand. Doch es gab immer etwas zu beklagen, so das jährliche Möhnehochwasser (Möhnetalsperre 1910/1913).
Auch ein Einlaufgitter konnte nicht verhindern, dass Unrat mit in die Badeanstalt gespült wurde. Trotze aller Sicherheitsvorkehrungen und Badeaufsicht wird das Baden in der Badeanstalt nicht
ungefährlich. Es war üblich so auch heute, dass die Stadt sich gegen solchen Schäden versicherte. Eine Kopie eines Versicherungsantrag belegte, dass aus irgendeinem Grund, acht Jahre nach
Inbetriebnahme, diese erhöht werden musste.
mehr lesen...
Aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen, und auftretenden Verunreinigungen – insbesondere Scherben, wurde die Badeanstalt mehrmals geschlossen. 1915 beschloss der Magistrat endgültig die
Badeanstalt zu schließen. Ein Versuch im Jahr 1916 nochmals mit einem Kostenanschlag von 700 Mark die Badeanstalt Instand zu setzen scheiterte kläglich. Der Haftpflicht – Versicherung wurde am
13.3.1917 mitgeteilt, dass die Badeanstalt am 1.21916 abgebrochen wurde.
zuklappen
Die nach folgenden Fotos verdanken wir Heinz Diehl, der in den Kriegszeiten als 17 jähriger Schwimmmeister ins Neheimer Freibad kam.
mehr lesen...
Er erzählte von den katastrophalen hygienischen Zuständen zu dieser Zeit. In den Sommertagen war der Boden oft dicht mit Algen übersät, denn es gab weder Pumpen noch Filter für das Wasser, aus
einem Bach über zwei Vorwärmebecken in das Schwimmbad geleitet wurde. So hatte der Bademeister die Aufgabe, den Boden mit einem Reisigbesen aus zu schrubben. Trotzdem konnte über den
Besucherstrom nicht geklagt werden, auch wenn viele Jugendliche Neheimer das Eintrittsgeld von 0,10 Pfennigen sparen wollten, und im Mühlengraben schwimmen gingen, kamen 300-400 Besucher im Jahr
1940.
zuklappen
Bilder zum Vergrößern anklicken!